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Leo Weisgerbers sprachinhaltsforschung, ihre philosophischen Implikationen und ihr bezug zu Heidegger

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Resumo:Leo Weisgerbers Sprachinhaltsforschung dominierte nach dem Zweiten Weltkrieg die deutsche Sprachwissenschaft; ab den 70er Jahren geriet sie fast völlig in Vergessenheit oder wurde nur noch unter starken ideologischen Vorbehalten rezipiert. Diese Arbeit versucht zu zeigen, dass trotz berechtigter Einwände Weisgerbers Sprachinhaltsforschung für die Entwicklung der Allgemeinen und Vergleichenden Sprachwissenschaft bis heute dennoch eine nicht unbedeutende Rolle spielte und ihre sprachphilosophischen Implikationen sogar eine systematische Berücksichtigung verdienen. Der systematischen Darstellung der Sprachinhaltsforschung geht eine Diskussion ihrer frühen Entwicklung voraus, die zeigt, dass spätere thematische Schwerpunkte der Sprachinhaltsforschung in Auseinandersetzung mit vielen bedeutenden Sprachwissenschaftlern des frühen 20. Jahrhunderts schon eine deutliche Ausprägung fanden und intensiv rezipiert wurden. Desweiteren werden in dieser Arbeit die Umstände diskutiert, die zur ausgeprägten Ablehnung der Sprachinhaltsforschung führten, sowie die Frage, in welcher Form Grundprämissen der Sprachinhaltsforschung für rezente sprachwissenschaftliche Forschungsansätze relevant waren oder noch relevant sind. Diesem sprachwissenschaftlich geprägten Teil der Arbeit folgt die Untersuchung der Frage, ob Weisgerbers Sprachinhaltsforschung in sprachphilosophischer Hinsicht von Belang ist. Nach der Analyse der sprachphilosophisch relevanten Positionen Weisgerbers, insbesondere der These von Sprache als gesellschaftlicher Erkenntnisform, der These des Muttersprachapriori und derjenigen des sprachlichen Weltbildes, die auch als schwache sprachliche Relativitätsthese bezeichnet werden kann, folgt die Kontrastierung mit zahlreichen sprachphilosophischen Ansätzen (Humboldt, Cassirer, Herder, Hönigswald, Frege/Carnap, Mauthner, Wittgenstein, Apel, Uexküll/Vollmer, Autopoesistheorien), die einen Rezeptionsbezug zu Weisgerber bzw. Weisgerbers engstem Schüler Gipper, der die philosophische Relevanz der Sprachinhaltforschung in mehreren Schriften eingehend thematisiert hatte, aufweisen. Um die Unterschiede zu Weisgerber/Gipper klar herauszuarbeiten, werden diese Ansätze mit Blick auf ihre Orientierung an insgesamt fünf verschiedenen Erscheinungsweisen bzw. Funktionen/Leistungen von Sprache (langue, parole, Dialogizität, langage als hyperlangue, Referenzbezug) analysiert, wobei sowohl Überschneidungen, wechselseitige Rezeptionsbezüge als auch spezifische Differenzen hervortreten, die es dann auch geeignet erscheinen lassen, Weisgerbers sprachphilosophischer Position einen spezifischen Stellenwert im Kontext sprachphilosophischer Ansätze nach dem linguistic turn einzuräumen. Im abschlieβenden Teil der Arbeit wird versucht zu zeigen, in welcher Form sich Heideggers sprachphilosophischer Ansatz von den zuvor diskutierten abheben möchte. Dabei wird die These vertreten, dass Heideggers Versuch, durch eine Hermeneutik der muttersprachlichen langue eine eigene Sprache zu entwerfen (oder: zu entdecken), die den Rang einer ‘eigentlichen’ Sprache ausfüllen soll, mit Hilfe ‘sprachlicher Strategien’ umgesetzt wird, die zugleich diese Hermeneutik der langue durchführen. Auf der Basis dieser Untersuchungen wird dann abschlieβend die in der bisherigen Forschung systematisch noch nicht behandelte Frage diskutiert, ob eine Nähe zwischen Weisgerbers und Heideggers Sprachauffassung besteht. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass diese These nur in eingeschränkter Form aufrechterhalten werden kann.
Autores principais:Sylla, Bernhard
Ano:2008
País:Portugal
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